Raindance und der Zaun

Nun, da Raindance gelernt hatte, ihre Beine zu beherrschen, benutzte sie sie rege. Wann immer sie nicht gerade müde war und schlief, rannte sie, sprang auf und schlug aus. Das machte Spass! Im Gegensatz zum Gras und zu den Bäumen, die höchstens ein wenig im Wind schaukelten, sich aber sonst nicht von der Stelle rührten, konnte sie rennen, so schnell und wohin auch immer sie wollte. Wobei... das stimmte nicht ganz, wie sie bald lernen sollte.


Ihr fiel auf, dass die Herde sich immer an derselben Stelle zusammenzog und einen Bogen machte, um sich dann erst wieder breiter auf der Weide zu verteilen. Warum die anderen das taten, war ihr einerlei. Sie selber sah keinen Sinn darin, wenn sie doch auf schnurgerader Strecke ihre liebsten Spielkameraden Marybell und Jaki einholen konnte. Wieder einmal flog sie also über die Weide, so schnell ihre schlanken Beine sie tragen konnten. Im nächsten Moment wurde sie jäh zurückgeworfen. Etwas Unsichtbares hatte sie auf Schulterhöhe gepackt und abrupt angehalten. Sie erschrak fürchterlich! Und wollte sofort weiter zu Marybell und Jaki. Doch das unsichtbare Ding hielt sie erneut zurück.


Jetzt ging sie die Sache vorsichtiger an. Bei näherem Betrachten war das Ding gar nicht unsichtbar, sondern nur sehr dünn. Es war ein langer Draht, der quer in der Luft hing und mit der Umgebung beinahe verschmolz. Sie schnupperte daran. Da zwickte ihr der Draht ohne Vorwarnung mitten auf die Nase! Sie stiess einen erschreckten Laut aus und rannte zurück zur Mutter. Doch der Draht liess ihr keine Ruhe. Sie schnupperte erneut daran; anders konnte sie sich nicht helfen - mit der Nase erkundete ein Texas Longhorn nun mal die Welt. Aber jedes Mal, wenn ihre Nase dem Draht zu nahe kam, zwickte ihr dieser eins drauf. Das tat weh! So lernte sie, den Draht zu respektieren und in Ruhe zu lassen.



Texas Longhorn Raindance erkundet die Welt mit der Nase


Nun erst fiel ihr auf, dass alle anderen den Draht ebenfalls mieden. Dieser, so erkannte sie jetzt, folgte einer bestimmten Richtung. Und zwar hielt er sich an den Pfosten fest, die in regelmässigen Abständen aus dem Boden ragten. Es gab aber in diesem komplizierten System aus Pfosten auch solche, die nicht mit Draht verbunden waren. Und genau dort schlüpften die anderen jeweils hindurch. Das war der Bogen, den die Herde immer machte, wenn sie die Weide wechselte. Von jetzt an machte es auch Raindance so und wahrte Abstand zu dem bösen Draht.

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